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Erlebnisbereiche für Katzen

Der KSL e.V. informiert :


Um Katzen auch unter den eingeschränkten Bedingungen einer Wohnung ein abwechslungsreiches und möglichst artgerechtes Leben zu bieten, ist Wissen um deren natürliche Bedürfnisse und viel Phantasie gefragt !

Wie können Katzen in der Wohnung körperlich und vor allem geistig beschäftigt und gefordert werden ?

Katzen jagen kleine Beutetiere und bevorzugen zehn oder mehr – allerdings sehr kleine – Mahlzeiten, eher Snacks. Andererseits ist dauerndes Futterangebot für die gelangweilte Wohnungskatze der sicherste Weg zum Übergewicht.


1. Verringere die Portionen in der Futterschüssel.

Ab nun darf Deine Katze einen Teil der Mahlzeiten selbst „erjagen“. Dazu versteckst Du überall in der Wohnung einzelne Stückchen Trockenfutter, Zahnhygiene- oder Vitaminsnacks. Anfangs an leicht zugänglichen Stellen und - wenn Deine Katze dann das neue Spiel schon etwas kennt - an immer schwieriger zu erreichenden Orten. Für besonders aktive und anspruchsvolle Katzen kannst Du Trockenfutter auch in kleinen Schachteln, Papiersäckchen oder in einem gelochten Rasenziegel, wie er für begrünte Parkplätze verwendet wird, anbieten.


2. Gerüche sind für Katzen ausserordentlich wichtig.

Bring Deiner Katze hin und wieder neue Gerüche aus der Natur mit – z.B. einen Stein oder ein Stück Holz vom Spaziergang, einen Strauss duftender Gräser und Blumen oder ein mit Heu (aus der Tierhandlung) gefülltes Kissen. Auch vom Einkauf im Supermarkt kannst Du Neuigkeiten mitbringen – Papiertragetaschen. Fast alle Katzen fühlen sich magisch von diesen kleinen Höhlen angezogen, spielen und verstecken sich gerne darin.  Aber Achtung: Tragegriffe auf alle Fälle vorher durchschneiden, die Katze kann hängen bleiben und in Panik geraten oder sich verletzen !

Veränderungen in Deiner begrenzten Umwelt sind für reine Wohnungskatzen viel dramatischer – erleben sie doch im Vergleich zur Freilaufkatze nur wenig Abwechslung.


3. Fördere die geistige Flexibilität Deiner Katze, indem Du öfter mal kleine Dinge veränderst.

Dann erlebt Deine Katze auch nicht gleich eine existentielle Krise, wenn ein neues Möbelstück in die Wohnung kommt. Wichtig ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von anregenden Neuigkeiten und Abwechslung und vertrauter stabiler Gewohnheit, auf die sich die Katze bei Unsicherheit verlassen kann.


4. Ganz wesentlich für die Lebensqualität der Wohnungskatze sind erhöhte Sitzplätze.

Für die abendlichen Spielrunden ist dann nicht der Vorhang, sondern die Kletterwand Auslaufraum in die dritte Dimension. Befestige einfach einen Kokosläufer oder einen Sisalteppich an einer Wand, ein oder zwei Sitzbretter dazu --- und fertig ist die platzsparende Klettervariante. Aber auch ein raumhoher Kletterbaum muss nicht unbedingt viel Platz einnehmen.

Hier die wichtigsten Kriterien für einen katzengerechten Kletterbaum :
a) durchgehende Kletterstrecke ohne behindernde Zwischenbretter;
b) stabil und standfest
c) Abstieg durch kleine und nicht zu steile Sprünge (ca. 100cm, 45° Winkel) möglich
d) Sichere Aussichtsplätze

Neben Klettermöglichkeiten brauchen Katzen natürlich auch Kratzstellen, wenn Deine Möbel verschont bleiben sollen. Ein herkömmlicher Kratzbaum erfüllt nicht unbedingt alle Vorstellungen einer Katze für eine aussagekräftige Kratzmarkierung.

Katzen bevorzugen Materialien, bei denen die Fetzen fliegen :

- z.B. grobe rissige Rinde, weiches Holz, grobstrukturierte Natur-Textilien.

Und damit diese Katzen-Graffiti zum echten Hingucker werden, müssen sie natürlich auch verkehrstechnisch günstig liegen. Gute Kratzstellen liegen am Weg vom Schlafplatz zum Futterplatz – dort nehmen Katzen das erstbeste Objekt für ihre Showeinlage.
Achte auf Stabilität, ausreichende Höhe (120cm) und katzenfreundliches Material – schon ein Fussabstreifer aus Sisal oder Kokosfaser, an der richtigen Stelle befestigt, ist eine ideale Kratzstelle.


5. Neben allen diesen Einrichtungsangeboten für Deine Katze ist eines ganz besonders wichtig:

Aktives Spiel !

Eine abendliche Spielrunde von 20 Minuten ist das Minimum für ein aktives Katzenleben in der Wohnung. Je realistischer Dein Spielangebot, desto eher wird Deine Katze die Herausforderung annehmen.

Wichtig zu wissen, dass Katzen Lauerjäger sind und nur einzeln auf die Jagd gehen.
Gestalte vor der Spielrunde ein wenig Deckungsmöglichkeiten – seitlich liegende Kartons, den Teppich oder eine Decke zu grossen Falten aufgeworfen oder ein umgedrehter Wäschekorb – bieten Versteckmöglichkeiten.

Bedenke auch, dass sich Mäuse vor Katzen eher verstecken und flüchten; als guter Spielpartner Deiner Katze solltest Du Dich in eine Maus verwandeln können.

Die reine Wohnungshaltung von Katzen kann durchaus artgerecht sein – es liegt an Deiner Bereitschaft, Neues über Katzen zu lernen und auch mit an Deiner Phantasie, einen abwechslungsreichen Lebensraum zu gestalten, um den geistigen und körperlichen Fähigkeiten Deiner Katze gerecht zu werden.

Viel Spass beim Spielen und Umgestalten !!

Quellnachweis: Die hier dargestellten Informationen sind teilweise entnommen

aus: "Miez, Miez, na komm!"     Sabine Schroll ISBN 3-89906-107-1